Samstag, 8. März 2008

Wieder zurück


Gestern abend (06.03.) gegen 9 kam ich nach ca. 6-7 Wochen Reise wieder nach Hause, nach Qingdao!

Angefangen hat es am 24.01. mit dem Besuch meiner Eltern:
Abends gegen 7 hab ich mich in den 9stündigen Nachtzug nach Peking gesetzt, der frühs kurz nach 6 ankommen sollte. Hat auch alles fahrplanmäßig geklappt. Der einzige Haken: ich hatte mich EIGENTLICH rechtzeitig um ein Schlafwagenticket gekümmert. Aber...

In China kann man Zugtickets erst 10 Tage vor Abfahrt kaufen und auch nur direkt am Abfahrtsbahnhof oder in der Abfahrtsstadt. An sich ja kein Problem, aber wenn man z.B. erst nach Shanghai fährt und anschließend gleich weiter will in eine andere Stadt, muss man darauf hoffen, dass es in Shanghai noch Tickets in die andere Stadt gibt. Anschlusstickets kann man nämlich nur in der jeweiligen Umsteigestadt kaufen... Und da es viele viele Chinesen gibt und um einiges weniger Züge, sind die in der Regel bis einen Tag vorher ausgebucht.

Für mich aber ja kein Problem, weil ich von Q direkt nach Peking fahren kann. Mein Problem war eher ein Kommunikationsproblem: für meine Eltern fing ihr Urlaub immer am 24.01. an und wir haben immer über den 24.01. geredet. Dass sie erst am 25.01. ankommen, kam mir nie in den Sinn. Mein Zugticket war also einfach für den falschen Tag.
Ich hatte die Wahl zwischen 1 Tag Peking alleine um die Ohren schlagen und im youth hostel übernachten oder 3€ Umbuchungsgebühr zahlen und erst am nächsten Tag fahren. Hab mich dann für letzteres entschieden, was aber nicht so ganz schlau war, weil ich mich dabei auch auf einen "Hartsitzer" eingelassen hab. Für die erste Klasse gab´s noch Schlafwagenplätze, aber das war mir zu teuer (10€ mehr oder so...). Also Hartsitzer. Dachte mir, das kann ja nicht so schlimm sein, Hunderte von Chinesen machen das ja auch.
Nach 9 Std. auf einem 90°Sitz, der schmaler als in jedem Bus war (aber immerhin nicht wirklich hart) und bei konstantem Handygeplärre (chinesische Handys sind 3x lauter als deutsche und die Besitzer lieben es, sich mit Musik zu batteln!) hab ich die Entscheidung dann doch angezweifelt. Aber war eine lustige Erfahrung, weil die Chinesen um mich rum absolut nicht verstehen konnten, dass eine WESTLERIN einen Hartsitzerplatz nimmt! Der Mann neben mir war dann auch so nett und hat mir seinen Fensterplatz gegeben, damit ich meinen Kopf anlehnen konnte beim Versuch zu pennen. Er musste schon nach 5 Std. aussteigen. Alles in allem war´s sau ungemütlich, aber doch eine Erfahrung wert.

Wie gesagt, der Zug kam planmäßig an und ich hab nach 2x fragen auch gleich den Zubringerbus zum Flughafen gefunden. Musste dann noch kurz auf meine Eltern warten. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen, die mich reichlich schockiert haben: Westler sind fett und hässlich.
Am Flughafen sind halt voll viele Westler rumgelaufen und die meisten waren erschreckenderweise echt übergewichtig oder halt nicht mehr schlank. Und wenn man 5 Monate fast nur dünne Asiaten um sich rum sieht und halt die bekannten Gesichter seiner Freunde, dann ist man von einem plötzlichen "Langnasen-Auflauf" halt echt überrumpelt! Die Gesichter sind alles andere als fein geschnitten und kamen mir einfach total strange vor.

Als meine Eltern dann endlich ankamen, war ich überglücklich! Mein Papa hatte einen Haarschnitt (wie angekündigt) echt bitter nötig und meine Mama hatte eine neue Brille und eine neue Jacke. Ansonsten war alles beim Alten!! Das hat mich so gefreut! Bei mir hat sich so viel verändert (wenn auch nicht äußerlich, schätze ich), aber manche Dinge sollten wirklich "stable" bleiben.

Am ersten Tag haben wir uns die Verbotene Stadt angekuckt, einen Mittagsschlaf gemacht und dann noch einen Spaziergang durch Peking hingelegt. Es war aber doch echt ungemütlich kalt, deswegen war das Laufen nach 2 Std. eher eine Qual.
Am zweiten Tag kam die Mauer dran. Papa wollte bloß nicht viel laufen, deswegen kamen wir dann so bald nach Peking zurück, dass wir uns sogar noch den Himmelstempel ankucken konnten, wenn auch nur von außen, weil er schon geschlossen war.
Am nächsten Morgen ging´s dann per Flieger schon wieder nach Qingdao.

Für einen Flug braucht man bekanntlich ja seinen Reisepass, aber ich Doofkopf hab den natürlich in dem ganzen Zughäckmäck daheim liegen gelassen! War schon leicht am Verzweifeln, aber Glückspilz wie ich bin, kam am Tag vor dem Abflug eine Bekannte (Chinesin aus Peking, die in unserer Wohnung in Q übernachtet hat) von Q nach Peking und hat mir meinen Reisepass mitgebracht!

Und noch was Lustiges ist in Peking passiert. Wobei das eigentlich nicht so ganz stimmt, es ist nicht in Peking passiert, aber wurscht:
Ich hab meiner Mama ´ne Woche vor ihrer Reise eine Liste geschickt mit den Dingen, die ich aus D gerne hätte, wenn möglich. Auf meiner Liste stand sowas wie "Hanuta oder Knoppers oder Riesen oder Toblerone".
Meine Mama hat aus jedem "oder" ein "und" gemacht und von fast allem gleich mal 2 Sachen eingekauft. Dazu kamen noch Unmengen an anderen Süßigkeiten, Getränkepulver, Tee, Cappuccinopulver und Kaffee (weiß gar nicht, wie ich in den restlichen 6 Monaten so viel trinken soll!!), 6 Dosen Wurst, Fertiggerichte, Nudelsoßen, LEBERKÄS, Senf etc. etc. Meine Mutter hat so krass "gekluckt" (Zitat Papa: "Deine Mutter hat für´s Küken gekluckt!"), dass sie ohne Witz einen kompletten Koffer nur voll mit Lebensmittlen nach China geschleppt haben!! Insgesamt waren das 25kg Essen!!
Ich würde sagen, ich bin erst mal versorgt!! :-) Aber echt voll cool, muss gar nicht mehr einkaufen, kann mich nur aus meinem randvollen Vorratsschrank ernähren! Wenn alle wieder da sind, geb´ ich eine "German party" mit deutschen Sachen!


In Qingdao:
Von der Wohnung schien mein Papa leicht geschockt zu sein. Naja okay, die Kühlschranktemperatur im oberen Geschoss ist nun mal gewöhnungsbedürftig. Und leider war auch wieder unser Warmwasser zeitweise eingefroren, was nicht unbedingt die Sympatie meiner Eltern für die Wohnung gesteigert hat. Aber bis auf dass den beiden bis zum Ende konstant kalt war, haben sie sich dann doch dran gewöhnt!
Meine Mama hat jeden Tag geiles FRÜHSTÜCK gemacht (mit diesem Nussetta-Nutella-Verschnitt und Kaffee, wie fett!!) und mein Papa hat repariert und repariert und repariert!
Am Ende hing kein Lichtschalter mehr aus der Wand, der Boiler im oberen Bad war nicht mehr Suizid-freundlich und meine Lampe im office war wieder funktionstüchtig. Das mit der Lampe war echt eine Geschichte für sich... ist echt nicht einfach, in Q Lampen zu finden...

Dabei kam das sight seeing natürlich auch nicht zu kurz, wobei mein Schwerpunkt eigentlich eher war, das LEBEN in China zu vermitteln. Also z.B. das Treiben auf dem Billigmarkt, die Vielfalt in electronic city, Busfahren und einkaufen. Ich wollte auch einen Ausflug in die Nachbarstadt auf der anderen Seite der Bucht einlegen, an der Qingdao liegt, aber das hat leider nicht geklappt, wie geplant. Zwischen Taxifahrer und mir gab´s Verständigungsprobleme und er hat net gerafft, wo auf der Karte das ist, was er anfährt. Hat mich extrem geärgert, weil ich ihnen da einen wunderschönen Ausblick zeigen wollte, aber immerhin war es auf der ganzen Reise das einzige, das nicht geklappt hat. Immerhin...



Nach - weiß gar nicht mehr wievielen - Tagen in Q, sind wir dann weiter in den Süden Chinas, nach Sanya auf der Insel Hainan geflogen. Leider hat uns das Wetter einen Streich gespielt und es war doch nicht so subtropisch warm, wie erwartet. Das war aber wahrscheinlich auf das Schneechaos im Rest Chinas zurückzuführen...
Aber trotzdem haben wir´s auf der Insel genossen. Mama und ich waren am 05. Februar 2008 im Chinesischen Meer schwimmen! Einen Ausflug ins Inselinnere haben wir auch gemacht. Unser Aufenthalt dort hat allerdings nur ca. 10min gedauert, weil wir befürchteten, keinen Bus in unsere Stadt mehr zu bekommen.

Dann war Chinesisch-Neujahr!! So viel Feuerwerk hab ich noch NIE gesehen! Es war unglaublich! Mindestens 7 Std. Feuerwerk am Stück und das jeden Abend 10 Tage lang!! Am ersten Abend war´s am extremsten, aber auch danach war es in der Stadt nie still. Das Schönste war aber nicht das Feuerwerk, sondern die Tausend Lampignons, die jede Nacht in die Ferne geschickt wurden! Darunter muss man sich einen roten Ballon vorstellen, der die Form einer umgedrehten Birne hat und ungefähr so groß ist, wie ich ohne Beine. Bloß halt 3x so voluminös. Unten war er offen und an der Öffnung war ein Brennmittel befestigt. Durch die warme Luft, die beim Anbrennen entstanden ist, sind die Lampignons unwahrscheinlich hoch geflogen und haben dabei wunderschön rot geleuchtet. Sowas hab ich noch nie vorher gesehen und das hat mich echt fasziniert. Mama und ich haben mal versucht zu zählen, wieviele im Himmel sind. Bei 70 haben wir aufgehört, weil einfach immer mehr fliegen gelassen wurden.
Wir selbst haben uns dann auch einen gekauft und den steigen lassen.


Meine Freunde kamen einen Tag vor Chinesisch-Neujahr auch nach Sanya. Nach und nach waren dann Lena, Adèle, Yousuke, Elena, Enrique, Florian und Maria da. Am Neujahrsabend haben wir uns alle getroffen und zusammen BBQ gegessen. Am nächsten Tag war Yousukes 25. Geburtstag, also haben wir in den reingefeiert. Als Geschenk hat er von uns auch so einen Lampignon bekommen, den wir dann alle nach Japan geschickt haben. *g* Und der crazy Japaner konnt´s dann einfach nicht lassen und ist einfach ins Meer gerannt! War lustig, aber bescheuert, weil er danach halt nass war. Immerhin hatte er nur noch seine Boxershort an! ;-) Nett!!

Am 08.02. mussten meine Eltern schon wieder ihre Rückreise antreten. Ich hab sie zum Flughafen begleitet. Der Abschied war echt nicht leicht!! Es war die weiteste Reise, die meine Eltern bisher gemacht haben. Und das nur wegen mir! Hat schon ganz schön Beherrschung gekostet, ihnen so einfach hinterher zu winken!


Meine Reise war aber noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil, sie fing gerade erst an (hahahahaha, *LACH!*).
Dazu aber im nächsten Eintrag mehr. (Sonst beschweren sich wieder manche, dass ich zu viel schreib!)

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