Mittwoch, 19. September 2007

Peking


Meine zwei Tage Peking habe ich ganz gut zusammengefasst. Das ganze ist ein Brief an Chris, deswegen fehlen gelegentlich Passagen und es startet auch mit dem Erstellungstag, aber sieh selbst. Hier ein kleiner Einblick:

30.08.07

Igitt, gerade habe ich meinen Mitbewohner entdeckt: ein 100-Füßler. Aber nicht so schön klein und langsam wie in D, dass man ihn leicht auf ein Blatt lotsen kann und rausschmeißen kann! Das war ein echt großes, sau schnelles Ding! Igitt! Aber so hab ich wenigstens ein Haustier :-)! Heute war ich abends noch mal mit Fotis in der „Innenstadt“ (ich kenne mich noch nicht genug aus, um sagen zu können, wo ich bin, wenn ich irgendwo hinfahre). Wir wollten den Bus ausprobieren und sind einfach mal für umgerechnet 10 Cent mitgefahren. Jedenfalls waren wir dann in der Stadt, irgendwo in Qingdao. Wir sind einfach ausgestiegen, als wieder Leben auf den Straßen war (vorher sind wir durch ein Bankenviertel oder so, jedenfalls war plötzlich die ganze Straße leer). Da war dann auch wirklich viel los, weil Nachtmarkt war. Keine Ahnung, ob der immer ist, aber jedenfalls sind wir da drüber gelaufen und ich hab gleich mal echt schicke schwarze Schuhe gefunden. Für 10 Yuan, umgerechnet 1€!!! Juhu! Vor allem auch, weil sie Größe 35 sind! Aber die waren reduziert, die normalen Schuhe an dem Stand kosteten regulär 4,50€! (Oh mein Gott, so teuer :-)!) Aber lange halten sie bestimmt nicht. Und reduziert waren sie, weil das Bindeband schon ein bischen kaputt ist. Das hab´ ich da nicht gesehen, aber das ist auch wurscht, weil man das Band ja eh um den Knöchel binden muss. Dann sieht man das eh nicht. Aber was ich eigentlich erzählen wollte: als wir auf die Straße mit dem Markt gingen, war das Erste, was ich sah, einige Styropor-Kästen mit unterschiedlich großen Schildkröten drin! Alle lebend, klar, aber vor allem die Kleinen waren sooo süß! Die waren vielleicht so groß wie die alten 5-Mark-Stücke! Also noch ganz mini! Aber auch die größten waren noch klein, die hatten ungefähr die Größe einer Untertasse! Am liebsten hätte ich alle gekauft und irgendwo frei gelassen! Die taten mir so leid, Haustiere mit einem Leben wie Sybille es bei Julia führt, werden die bestimmt nicht…

Wir sind dann weiter (schade, dass ich sie nicht fotografiert habe, aber ich hatte Angst, die Chinesen wollen das nicht) und ein paar Minuten später sind wir an einem Verkäufer vorbei: Hundebabies!!! Sooo süß! Und noch so klein!! In D hätte kein Züchter die schon weggegeben! Oh und die taten mir so leid, weil die Leute, die sie kaufen, bestimmt nicht mehr so begeistert davon sind, wenn sie größer werden. Hunde halten ist hier ja recht teuer und man sieht Hundebesitzer auch relativ selten. Ich bin sogar extra noch mal kurz zurück, weil mich der Anblick auch so fasziniert hat. Die haben echt gelebt und wurden verkauft wie Schuhe!! Fotis fragte deswegen auch, ob ich eines will! Aber das war eher eine Schock-Frage, von wegen: „Du willst doch nicht ernsthaft ein Hundebaby?“ Aber das krasse ist, angeblich sollen hier im Wohnheim Studentinnen sein, die Hundewelpen haben! Die Armen, hier ist´s schon für Menschen eng genug, dann auch noch einen Hund, der Auslauf will… klar, man sitzt eh nicht den ganzen Tag drin im Zimmer, aber trotzdem!


Als wir in Beijing ankamen, hatte das Flugzeug schon 1 Std. Verspätung, weil es erst so spät starten konnte. Bis wir unser Gepäck und alles hatten und noch mal auf Toilette waren etc. etc. waren wir schon insgesamt 2 Std. zu spät. Deswegen waren wir uns auch alle sicher, dass uns niemand mehr erwartet. Aber Wunder über Wunder standen doch noch 2 Männer mit einem Schild „CSC“ da und erwarteten uns. Da waren so viele Leute mit Schildern! Wir hätten die fast übersehen!

Jedenfalls haben sie uns dann zur Pekinger Uni für Sprachen und Kultur gebracht. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht wie geplant 4 Tage in Beijing bleiben können, sondern dass unser Vollstipendium eine Nacht im Wohnheim der Uni übernimmt, der Zug aber schon für den nächsten Tag gebucht ist. Und weil es in China recht schwierig ist, ein Zugticket zu bekommen, kann man das auch nicht einfach umbuchen. Deswegen müssen wir also morgen schon wieder fahren. Okay, ist zwar schade, aber immerhin, das Ticket ist da und die Nacht is for free. Also gut, wir haben die Zimmer bezogen (ich zusammen mit Beate), die echt eng waren. Außerdem gab´s keine Bettwäsche.

Aber was auch echt blöd war: es gab wie in ganz Beijing nur Stehklos!! Nach einigem Suchen haben wir dann in dem mehrstöckigen Haus doch ein (!) normales Klo gefunden. Aber trotzdem… echt gewöhnungsbedürftig. Ich hatte dann schon Angst; hoffentlich ist es in Qingdao im Wohnheim nicht genauso: auf jedem Stockwerk extrem kleine Zimmer, Gang-Stehklos und Gang-Duschen! Die letzteren waren zwar geräumige Kabinen, aber total bäh.

Naja, wir haben dann das Beste aus unseren 1 ½ Tagen Beijing gemacht: am ersten Tag haben wir den Sommerpalast besucht, waren aber so spät dran, dass wir den eigentlichen Palast gar nicht mehr anschauen konnten, der war schon geschlossen. Aber der Park außen rum war echt einen Besuch wert! War echt schön da! Und einen guten Blick hätte man auf die Innenstadt gehabt, wenn es nicht so versmogt wäre. Man hat gerade mal den höchsten (Fernseh?)Turm gesehen, aber auch nur andeutungsweise im Smog… Also ihre 3 Tage Fahrverbot waren nicht sonderlich effektiv, würde ich jedenfalls sagen.

Wir wollten dann noch auf einen Markt (aus Steffis Reiseführer entnommen), aber der war scheinbar nicht an dem Tag oder früher.

Wir sind sogar U-Bahn und Bus gefahren, obwohl es doch immer heißt, dass man als Touri die Beijinger U-Bahn meiden soll, weil sie so voll ist und alle drängeln etc. Aber so schlimm war´s gar nicht, eher wie bei uns in der U-Bahn. Hat auch nur 30 Cent gekostet, eine Fahrt. Im Bus ist uns was Lustiges passiert: Wir wussten nicht, welchen Bus wir nehmen sollen und schon an der Bushalte haben sich alle möglichen Leute beraten, welchen Bus wir nehmen sollen, um zum Wohnheim zu kommen. Und dann im Bus ging unser Zettel mit dem Namen der Uni fast schon reihum, weil jeder uns helfen wollte! Ich musste dann nur so dringend auf Klo und 26 Stationen konnte ich einfach nicht warten, dass wir dann bei der nächsten öffentlichen Toilette ausgestiegen sind (gibt´s ganz häufig in Beijing). Und da haben uns dann auch viele hinterher gerufen, dass wir zu früh dran sind! Also Chinesen sind echt hilfsbereit zu Ausländern!

Am nächsten Tag haben wir den Tian´an men und die Verbotene Stadt besucht. Aber ich war ehrlich gesagt ein bissl enttäuscht. Der Platz des Himmlischen Friedens ist gar nicht so riesig, wie er auf Fotos immer aussieht und die Gebäude in der Verbotenen Stadt sahen nach ´ner Zeit alle gleich aus. Die sind nämlich nur außen hergerichtet, innen kann man oft nur durch Scheiben reinkucken oder sie sind ganz zu, weil sie innen gar nicht hergerichtet oder halt geplündert sind. Deswegen war das auch nicht so beeindruckend, wie ich erwartet hatte. Aber es war trotzdem einen Besuch wert! Wir hatten auch Glück, an dem Tag hat es geregnet, deswegen waren nicht so viele Leute unterwegs (genug). Und da der Regen nur ganz leicht war und auch nicht ständig, hat das schon gepasst. Ich hab´ ich mir einen 20 Cent- Regenschirm gekauft. Der ist eigentlich nicht schlecht, aber halt made in China, öffnet sich falsch rum. Aber ansonsten ist er echt in Ordnung. Für 20 Cent! Allerdings hätte ich besser aufpassen sollen, am nächsten Stand gab´s ihn für 10!


An dem Tag haben wir dann noch in einer kleinen Gasse voller Essenslädchen gegessen, war echt gut. Und da gab´s echt nur Essen, in allen Varianten! Später hat uns dann der Kerl, der uns zum Zug bringen sollte, noch mal kurz in eine andere Straße geführt, da waren mobile Küchen aneinander gereiht und es gab ca. 700m nur Essen. Und echt gutes Zeug. Aber auch Sachen, die wir halt überhaupt nicht kennen. Ist ja klar. Steffi hat sich zusammen mit Beate einen Spieß gekauft: frittierte Garnelen. Allerdings: der Panzer war noch dran, einfach mitfrittiert. War schön knusprig, aber als dann auch noch der Kopf zum Mitessen gedacht war, wollte ihn keiner mehr… :-)

Chinesische Bahnhöfe sind seltsam. Eher wie Flughäfen: wenn du rein willst, dann wird dein Gepäck durchleuchtet. Wenn du zum Zug willst, musst du warten, bis er angekommen ist etc., bevor sie dich auf den Bahnsteig lassen. Davor wirst du sozusagen eingecheckt, also die kontrollieren dein Ticket, bevor du überhaupt in die Nähe des Zuges kommst. Und so wie ich das gewöhnt bin, 2min vor Abfahrt schnell noch zum Zug rennen, geht auch nicht, weil der „Check in“ ca. 10min vor Abfahrt geschlossen wird. Echt komisch...

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